Aus Liebe zu Eiderstedt
Statt Windräder und großflächige Solarfelder: Klimaschutz, der Natur und Landschaft erhält
Der Landtag Schleswig-Holstein hat am 18.03.2026 entschieden:
Keine Windräder in Eiderstedt: Der ostatlantische Vogelzug und die Wiesenvögel-Brutgebiete wiegen höher als Windkraft - mit Ausnahme von Oldenswort und Uelvesbüll
Ausschnitt aus der Karte des Landesentwicklungsplans-Wind
Zeichenerklärung
Zur Historie
In Eiderstedt wollten neun Landwirte Windenergieanlagen planen und Investoren hatten weitere landwirtschaftlichen Flächen für die Errichtung von Freiflächen-Photovoltaik (FF-PV) nachgefragt.
Gewinner wären in Eiderstedt allerdings nur Investoren, Betreiber und Landeigentümer, denn der in Eiderstedt erzeugte Strom hätte gar nicht genutzt werden. Die benötigte Mittelspannungsleitung zum Abtransport des Stroms ist auf der Halbinsel weitestgehend ausgelastet. Der Strom würde dann abgeregelt – also ‚weggeworfen‘.
Der Schaden für Natur und Artenvielfalt, Landschaftsbild, Lebensqualität, Tourismus und Landwirtschaft wäre beträchtlich. In der flachen Landschaft hätten die weithin sichtbaren technischen Installationen mit ihren spiegelnden Paneelen und drehenden Rotoren insbesondere dem Vogelzug und den brütenden Wiesenvögeln erheblich geschadet.
Der neue LEP Wind: Für Eiderstedt viel Licht, aber auch ein pechschwarzer Schatten
Presseerklärung zur Landtagsentscheidung
Am 18. März hat der schleswig-holsteinische Landtag nach drei öffentlichen Anhörungen die „Teilfortschreibung zum Thema „Windenergie an Land“ des Landesentwicklungsplans Schleswig-Holstein“ beschlossen. Eine jahrelange Auseinandersetzung, die ihren Ursprung in der „Wind-an-Land-Gesetzgebung“ des Bundes hat, findet damit auch in Eiderstedt ihren vorläufigen Abschluss.
Worum ging es? Nachdem sich der schleswig-holsteinische Umweltminister im Sinne eines Windfriedens erfolgreich für eine Balance zwischen Ausbau der Erneuerbaren und notwendigem Naturschutz eingesetzt hatte, forderte der Bund neue und zusätzliche Vorrangflächen für die Windenergie. Die Auseinandersetzung darüber, verbunden mit dem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Schleswig, den Regionalplan in Planungsraum I für unwirksam zu erklären, führte zu der ernsthaften Gefahr, dass auch die letzten herausragenden Naturräume mit zusätzlichen Windenergieanlagen überbaut würden.
„Das ist – zumindest für weite Teile von Eiderstedt – nun vom Tisch.“ stellt Rainer Palm, Sprecher der Bürgerinitiative Zukunft Eiderstedt, zufrieden fest. Landesplanung und Parlament haben anerkannt, dass dieses letzte, noch unverbaute Nadelöhr für den ostatlantischen Vogelzug zwischen der Elbmündung und Dänemark, zugleich Wiesenvogelbrutgebiet mit besonders hohen Siedlungsdichten, vor weiterem Zubau geschützt werden muss. Die „Ziele der Raumordnung“ schließen neue Windenergieanlagen nun rechtssicher aus.
Das intensive Engagement vieler Eiderstedter Bürger:innen, die große Skepsis verschiedener Gemeinden, die leidenschaftlichen Kampagnen der Bürgerinitiative Zukunft Eiderstedt, die fachlichen Aktivitäten des NABU und der Schutzstation Wattenmeer, die Stellungnahmen des Eiderstedter Forums, des Heimatbundes, der IG Baupflege und vieler weiterer Akteure aus der Zivilgesellschaft haben es geschafft. In einer vereinten und ausdauernden Anstrengung haben sie einer für die Natur sehr problematischen Planung etwas entgegengesetzt: Ruhige, fachlich begründete Argumente und die Überzeugung, dass die Energiewende auch dann umsetzbar ist, wenn wertvolle Naturräume nicht bebaut werden.
Für dieses Ergebnis ist allen Beteiligten großer Dank auszusprechen – auch der Landesplanung im Innenministerium und dem Parlament!
Trotzdem gibt es eine gallebittere Pille dazu: Südwestlich des bestehenden Windparks bei Oldenswort, der dort seit Jahren eine Beeinträchtigung sowohl des ostatlantischen Vogelzugweges als auch der Wiesenvogelbrutgebiete darstellt, wurde eine erhebliche Erweiterungsfläche für neue, zusätzliche Windenergieanlagen aus dem Ausschlussgebiet herausoperiert. Hierfür sind keine überzeugenden, fachlichen Begründungen erkennbar. Im Gegenteil: Die Planungsbehörde des Kreises hält es in ihrer Stellungnahme aus naturschutzfachlicher Sicht für erforderlich, von der Planung Abstand zu nehmen; auch das Landesamt für Umwelt weist auf Probleme hin. Ohne Not würden das letzte verbleibende Nadelöhr für den Vogelzug hier weiter verengt und die Fläche für Brutvögel zusätzlich verkleinert werden. In diesem Bereich hätten Biodiversitäts-, Natur- und Heimatschutz verloren.
In diesen Frühlingstagen werden wir wohl – wieder einmal – erleben, wie das Rufen der Kiebitze leiser wird. Erst 2024 wurde der Kiebitz Vogel des Jahres. Begründung damals: Der Schutz für Wiesenvögel reiche auch innerhalb von Schutzgebieten nicht aus und man müsse verhindern, dass weitere Lebensräume zerstört werden. So hieß es, und keine zwei Jahre später werden Wiesenvogelbrutgebiete bei Oldenswort freigegeben für die Planung von Windenergieanlagen. Noch allerdings sind diese Anlagen nicht genehmigt!
Deshalb: Für Eiderstedt viel Licht, aber auch ein pechschwarzer Schatten.
Bündnis 90/Die Grünen, OV Eiderstedt, der Bürgerinitiative Zukunft Eiderstedt, dem Eiderstedter Forum, dem Heimatbund Landschaft Eiderstedt e.V., der Interessengemeinschaft Baupflege Nordfriesland & Dithmarschen e.V., dem NABU und der Schutzstation Wattenmeer
Kontakt:
Rainer Palm
Möhlenbarg 34
25881 Tating
Damit das Heute
morgen nicht so aussieht!
So wird zukünftig nicht jedes Dorf in Eiderstedt aussehen
Fotomontage von Tating:
Unsere Forderungen sind in Erfüllung gegangen - leider bis auf Oldenswort und Uelvesbüll
den Erhalt und die behutsame, naturnahe und nachhaltige Weiterentwicklung dieser einzigartigen Kulturlandschaft zum Schutz von Natur, Klima und Biodiversität, ohne die wir nicht leben können. Das unverbaute Eiderstedt ist z.B. von herausragender Bedeutung als Leitlinie des Vogelzuges, als Rastgebiet für Zugvögel und Brutgebiet für Wiesenvögel. Es müssen auch Räume der Ruhe und Erholung für Natur, Mensch und Landschaft in Deutschland erhalten werden und frei bleiben von technischen Großinstallationen. Hiermit leistet Eiderstedt seinen relevanten Beitrag zum Erhalt unserer ökologischen, ökonomischen und sozialen Lebensgrundlagen und Lebensqualitäten. Die Gemeinwohlinteressen an Natur, Klima und Biodiversität sollen in Eiderstedt höher wiegen als Einzelnutz mit hohen Profiten!
Wir sind für eine Energiewende, die im Einklang steht mit:
• dem Erhalt einer einzigartigen, ursprünglichen und historischen Kulturlandschaft, geprägt von Weite und Horizont
• dem Erhalt Eiderstedts als Oase der Ruhe und Erholung - als Gegenwelt zu urbanen und industrialisierten Landschaften
• dem Erhalt wertvoller landwirtschaftlicher Flächen
. dem Erhalt Eiderstedts als das letzte vertikal unverbaute Nadelöhr an der Westküste für Millionen von Zugvögel
. mit der Erhaltung unserer zusammenhängenden, naturschutzfachlichen wertvollen Flächen für Biodiversität und Artenschutz
. dem Erhalt von Dauergrünland als CO2-Speicher usw.: Biodiversität ist Klimaschutz
• dem Erhalt anderer lebensnotwendiger Schutzgüter und nicht ihrer Zerstörung
• zu UNS und Eiderstedt passenden Klimaschutzmaßnahmen, entwickelt, geplant von und mit den Bürgerinnen
Man sollte noch wissen, dass:
• Eiderstedt heute schon 13x soviel erneuerbare Energie einspeist, wie es verbraucht (Quelle: SH Netz AG),
• die Leitung „voll" ist und der Strom für die geplanten Anlagen nicht abgeführt werden kann,
• eine neue Hochspannungsleitung durch Eiderstedt gebaut werden müsste, die 200 und mehr Windräder und/oder Solarfelder nach sich ziehen könnte, deren Bau ca. 8 Jahre dauern und mehr als 100 Mio € kosten würde, die wir Stromkunden – mit den deutschlandweit jetzt schon höchsten – Netzentgelten bezahlen müssten (Quelle: SH Netz AG),
• Windkraftanlagen und Solarfelder besser dort gebaut werden, wo es die Netzinfrastruktur bereits gibt (Forderung der SH Netz AG),
• die Landesplanung noch hunderte von Potenzialflächen in Schleswig-Holstein zur Verfügung hat
• der naturnahe Tourismus auf Eiderstedt der Hauptwirtschaftsfaktor ist und für die meisten Menschen Arbeit, Verdienst und Wohlstand gewährleistet. Die Grundlage dafür - Natur und Kulturlandschaft - darf nicht gefährdet werden.
Eiderstedt streitet seit 30 Jahren um Windkraft.
DER SPIEGEL vom 8.10.1995 schreibt:
„Auf Eiderstedt wogt der Widerstand am stärksten. Die malerische Halbinsel, freie Sicht auf 30 Kilometer, wird von Kögen und alten Deichen durchzogen. Der Wind bläst hier im Schnitt mit sieben Meter pro Sekunde, für Stromfarmer ein Schlaraffenland. Maler Thomas Kosbab, 54, wohnt in Wasserkoog. Pappeln und Ulmen säumen seine Reetdachkate. Hoch und blau wölbt sich das Firmament, von Ferne rauscht das Meer. Eine Szene wie ein Nolde-Gemälde. Und nun? Weiße Rotoren zersägen die Luft über Eiderstedt. »Was für eine Sünde«, sagt der Künstler, »die Landschaft ist versaut.«
In Oldenswort sollen dennoch neue Windkraftanlagen gebaut werden
Der Gemeinderat von Oldenswort treibt die Planung von Windkraftanlagen voran.
Hier eine Fotomontage von Oldenswort.